Auditergebnisse und Auditbefunde formulieren

Im Audit ist häufig relativ schnell klar, was aufgefallen ist. Schwieriger wird es, daraus ein Auditergebnis oder einen Auditbefund zu formulieren, den auch eine Person nachvollziehen kann, die beim Audit nicht dabei war.

Kann eine andere Person anhand des formulierten Ergebnisses nachvollziehen, was festgestellt wurde, worauf die Aussage beruht und wie die Bewertung zustande gekommen ist?

Auditergebnis und Auditbefund: die Begriffe einordnen

Auditergebnis

Der übergeordnete Begriff für die aus einem Audit abgeleiteten Ergebnisse. Ein Auditergebnis muss nicht negativ sein.

Auditbefund

Die konkrete, nachvollziehbar dokumentierte Feststellung und Bewertung auf Grundlage der erhobenen Auditnachweise.

In der Praxis und in unterschiedlichen Anforderungssystemen werden die Begriffe teilweise unterschiedlich verwendet. QMedius verwendet sie auf dieser Seite in der hier beschriebenen Logik – unabhängig von einem bestimmten Standard, Zertifizierungsverfahren oder Anforderungskatalog.

AUDITNACHWEIS

Was wurde festgestellt?

AUDITERGEBNIS

Wie ist es zu bewerten?

AUDITBEFUND

Wie wird es nachvollziehbar formuliert?

Die Logik führt zu einer nachvollziehbaren Darstellung. Sie bedeutet nicht, dass jedes Auditergebnis negativ ist oder eine Nichtkonformität darstellt.

Vom Auditnachweis zum Auditergebnis

Interview, Beobachtung, Dokumentenprüfung und Stichprobe liefern unterschiedliche Informationen. Entscheidend ist: Was wurde tatsächlich erhoben – und was lässt sich daraus ableiten?

Beschreiben Sie den geprüften Prozess, den Zeitraum und den Umfang der Prüfung. Eine einzelne Beobachtung oder eine begrenzte Stichprobe erlaubt keine pauschale Aussage über die gesamte Organisation.

Zur Vorbereitung: Interne Audits im Gesundheitswesen · Auditfragen im internen Audit

Was macht einen guten Auditbefund aus?

Sachlich und konkret

Beschreiben Sie, was festgestellt wurde. Vermeiden Sie pauschale Urteile wie „schlecht“ oder „unzureichend“, wenn der konkrete Bezug fehlt.

Nachvollziehbar und überprüfbar

Benennen Sie die Grundlage der Aussage und den Bezug zur Anforderung. Trennen Sie Beobachtung, Nachweis und Bewertung.

Von der Feststellung zur Formulierung

Feststellung → Nachweis/Evidenz → Bezug zur Anforderung → Bewertung

Diese Logik ist eine praktische QMedius-Arbeitshilfe, kein universell vorgeschriebenes Schema. Die formale Bewertung richtet sich immer nach dem jeweils verwendeten Anforderungs- bzw. Auditsystem.

Schwache und starke Formulierungen

Illustrative Beispiele aus dem Gesundheitswesen. Die genannten internen Vorgaben sind für das jeweilige Beispiel angenommen; sie sind keine gesetzlichen oder normativen Anforderungen.

Beispiel 1: Schulung und Kompetenz

SCHWACH

„Die Schulungen sind unzureichend.“

NACHVOLLZIEHBARER

„Bei der Prüfung der Einarbeitungsunterlagen von fünf im letzten Quartal neu eingetretenen Mitarbeitenden fehlte in zwei Fällen der dokumentierte Abschluss der vorgesehenen Schulung. Die interne Einarbeitungsvorgabe sieht diesen Nachweis vor Abschluss der Einarbeitung vor. Für diese zwei Fälle ist die Erfüllung der Vorgabe anhand der geprüften Unterlagen nicht nachgewiesen.“

Die Aussage benennt Stichprobe, Feststellung und Bezug. Sie behauptet nicht, dass die Schulung tatsächlich unterblieben ist.

Beispiel 2: Prozessumsetzung

SCHWACH

„Die Übergaben funktionieren nicht.“

NACHVOLLZIEHBARER

„Bei zwei von vier beobachteten Schichtübergaben auf der geprüften Station wurden offene patientenbezogene Aufgaben nicht ausdrücklich mit einer verantwortlichen Person übergeben. Die interne Übergabevorgabe verlangt diese Zuordnung. In diesen zwei beobachteten Fällen wurde die Vorgabe nicht umgesetzt.“

Die Bewertung bleibt auf die beobachteten Fälle begrenzt. Eine Ursache oder eine bestimmte Lösung wird nicht vorweggenommen.

Sechs typische Fehler

Pauschal urteilen

Statt Wertungen: den konkreten Sachverhalt beschreiben.

Evidenz weglassen

Die Grundlage und den Umfang der Prüfung erkennbar machen.

Beobachtung und Interpretation vermischen

Trennen, was erhoben und was daraus abgeleitet wurde.

Die Lösung in den Befund schreiben

Feststellung und Bewertung formulieren, ohne die Massnahme vorwegzunehmen.

Den Anforderungsbezug offenlassen

Benennen, woran die Feststellung bewertet wird.

Vorwissen voraussetzen

So schreiben, dass auch Dritte die Aussage nachvollziehen können.

Ist mein Auditergebnis nachvollziehbar?

Was wurde festgestellt?
Worauf beruht die Aussage?
Welche Anforderung ist betroffen?
Ist die Bewertung daraus nachvollziehbar?

Wenn eine Antwort fehlt, lohnt sich eine Überarbeitung vor der Weitergabe.

Sie müssen jetzt selbst einen Auditbefund formulieren?

Auditbefunde professionell formulieren

Das Microtool unterstützt die strukturierte Formulierung konkreter Auditergebnisse und Auditbefunde. Es enthält direkt einsetzbare Arbeitshilfen: Praxisguide, Arbeitsblatt zum Auditergebnis und Schnellcheck Auditergebnis.

CHF 39

Microtool ansehen

Für den gesamten Auditprozess: Praxispaket Interne Audits im Gesundheitswesen – CHF 169

Suchen