VERTIEFUNG
„Zeigen Sie mir an einem aktuellen Beispiel, wie Sie feststellen, ob die Einarbeitung erfolgreich abgeschlossen wurde.“
Wissen · AUDITPRAXIS
Gute Auditfragen prüfen nicht, ob etwas beschrieben ist. Sie zeigen, ob ein Prozess funktioniert.
Viele interne Audits beginnen mit einer langen Checkliste:
Ist eine Regelung vorhanden? Ist sie dokumentiert? Wurde sie kommuniziert?
Damit lässt sich Konformität prüfen. Ob ein Prozess im Alltag tatsächlich funktioniert, wird damit jedoch oft nur unzureichend sichtbar.
Gute Auditfragen gehen deshalb einen Schritt weiter. Sie fragen nach Umsetzung, Nachweisen, Schnittstellen, Abweichungen und Wirkung.
SCHWACH
„Gibt es einen geregelten Einarbeitungsprozess?“
STÄRKER
„Wie läuft die Einarbeitung einer neuen Mitarbeiterin konkret ab?“
VERTIEFUNG
„Zeigen Sie mir an einem aktuellen Beispiel, wie Sie feststellen, ob die Einarbeitung erfolgreich abgeschlossen wurde.“
Die erste Frage kann mit Ja beantwortet werden.
Die zweite macht den Prozess sichtbar.
Die dritte führt zu überprüfbarer Evidenz.
„Wie läuft dieser Prozess vom Auslöser bis zum Ergebnis konkret ab?“
Ziel: tatsächlichen Ablauf verstehen.
„Wie stellen Sie sicher, dass die vereinbarte Vorgehensweise im Alltag umgesetzt wird?“
Ziel: Unterschied zwischen Vorgabe und Praxis erkennen.
„Woran können Sie mir zeigen, dass dies tatsächlich so erfolgt?“
Ziel: Aussagen mit Beobachtung, Dokumenten oder Stichproben verbinden.
„Was passiert, wenn der vorgesehene Ablauf nicht eingehalten werden kann?“
Ziel: Umgang mit Störungen, Ausnahmen und Risiken erkennen.
„Woran erkennen Sie, dass der Prozess das gewünschte Ergebnis erreicht?“
Ziel: von Durchführung zu Wirkung gelangen.
„Wer trägt in diesem Prozess welche Verantwortung – und wie zeigt sich das im Alltag?“
„Wo wird die Verantwortung an eine andere Person oder Berufsgruppe übergeben?“
„Welche Informationen benötigen Mitarbeitende, um den Prozess korrekt durchführen zu können?“
„Zeigen Sie mir anhand eines aktuellen Beispiels, wie dieser Ablauf durchgeführt wurde.“
„Welche Abweichungen treten in diesem Prozess wiederholt auf und wie gehen Sie damit um?“
„An welcher Stelle dieses Prozesses besteht aus Ihrer Sicht das grösste Risiko?“
„Was wurde in diesem Prozess zuletzt verändert – und warum?“
„Wie überprüfen Sie, ob eine eingeführte Massnahme tatsächlich die gewünschte Wirkung erzielt?“
Eine plausible Antwort im Interview ist ein wichtiger Ausgangspunkt – aber noch kein belastbarer Nachweis.
Gute Audits verbinden unterschiedliche Informationsquellen. Eine Aussage kann beispielsweise durch eine Beobachtung vor Ort, eine Stichprobe oder einen geeigneten dokumentierten Nachweis überprüft werden.
Fragen öffnen den Prozess. Evidenz macht ihn überprüfbar.
Frage für Frage wird gestellt, unabhängig davon, wohin die Antworten führen.
Besser: Antworten aufgreifen und gezielt vertiefen.
Eine gute Prozessbeschreibung beweist noch nicht, dass der Prozess im Alltag so funktioniert.
Besser: Vorgabe und gelebte Praxis miteinander verbinden.
„Wäre es nicht besser, wenn Sie …?“ ist keine Auditfrage.
Besser: Erst verstehen, Evidenz sammeln und bewerten. Die Lösung gehört nicht in die Fragestellung.
Wer dieser Logik folgt, benötigt keine starre Liste mit hundert Fragen. Entscheidend ist, mit wenigen guten Einstiegsfragen einen Prozess systematisch zu erschliessen.
VON DER FRAGE ZUR ANWENDUNG
Direkt einsetzbare Fragen für interne Audits im Gesundheitswesen – mit Fokus auf Prozesse, Umsetzung, Evidenz und Wirksamkeit.
CHF 19
Sie möchten nicht nur die Fragen, sondern interne Audits vollständig planen, durchführen und nachverfolgen?