QV58a Qualitätskultur – CIRS und Qualitätsverbesserungsmassnahmen
Ein Meldesystem wird erst dann Teil einer gelebten Qualitätskultur, wenn aus Beobachtungen gemeinsame Erkenntnisse und nachvollziehbare Verbesserungen entstehen.
Die Mindestanforderungen im Handlungsfeld
Das Qualitätskonzept regelt die kontinuierliche Entwicklung der Qualitätskultur und ist im QMS integriert. CIRS ist obligatorisch. Zusätzlich ist mindestens eine weitere anerkannte QVM anhand eines PDCA-Zyklus im Qualitätskonzept zu integrieren. Damit sind mindestens zwei unterschiedliche QVM in diesem Handlungsfeld erforderlich. Ziel ist eine interdisziplinäre und interprofessionelle Lern- und Kommunikationskultur auf allen Ebenen.
CIRS: Was muss schriftlich geregelt sein?
Die publizierte CIRS-Beschreibung nennt für die Überprüfung die Einordnung ins Qualitätskonzept und den PDCA-Zyklus, Anforderungen an technische Ressourcen, ein Schulungskonzept, das Vorgehen und die Zuständigkeiten bei Meldungsbearbeitung, Massnahmenableitung und Kommunikation sowie die Evaluation der Umsetzung der Verbesserungsmassnahmen. Die technischen Voraussetzungen sollen digitale schriftliche Meldungen ermöglichen und allen Mitarbeitenden zugänglich sein. Mitarbeitende werden zur anonymen, sanktionsfreien Meldemöglichkeit informiert und in der Handhabung geschult.
Quelle / Fundstelle: S20 Kap. 2a S. 2–3 und Kap. 4 S. 4
Von der Meldung zum Lernen
Fachpersonen leiten aus Meldungen Verbesserungsvorschläge ab und dokumentieren diese; ihre Umsetzung wird evaluiert. Aufbereitete Fälle und abgeleitete Verbesserungen von allgemeiner Bedeutung werden exemplarisch veröffentlicht. Zum System gehören ein geschlossenes Verfahren für eine definierte Benutzergruppe und ein internes Reporting. Die Anbindung an CIRRNET und die freiwillige nichtanonyme Meldung sind in der QVM-Beschreibung als optional bezeichnet. Die Beschreibung einer anonymen Meldemöglichkeit ist keine Zusicherung eines absoluten rechtlichen Schutzes vor Zugriff.
Quelle / Fundstelle: S20 Kap. 2a S. 2–3
Welche zusätzliche QVM passt?
Die öffentliche H+-Liste nennt beispielsweise Förderung der «Speak up» Kultur, Qualitätszirkel und interaktives Lernen im Room of Horrors für Akutsomatik, Rehabilitation und Psychiatrie. Interprofessionelle Peer Reviews sind dagegen für Akutsomatik und Psychiatrie gelistet, nicht für Rehabilitation. Prüfe vor der Auswahl die jeweilige Beschreibung und den anerkannten Geltungsbereich. Eine ähnliche interne Aktivität zählt nicht automatisch als Umsetzung der anerkannten QVM.
Quelle / Fundstelle: S09 Tabelle Qualitätskultur; S02 Ziff. 2.3 Abs. 4–5
Beispiele für die Auswahlbegründung
Frei entwickelte Praxisbeispiele: Ein Akutspital stellt fest, dass Sicherheitsbedenken in hektischen Übergaben zu spät angesprochen werden. Eine Rehaklinik beobachtet wiederkehrende Abstimmungsprobleme zwischen Berufsgruppen. Eine psychiatrische Klinik möchte Rückmeldungen zu kritischen Situationen systematischer in Teamlernen übersetzen. In allen drei Situationen kann geprüft werden, ob eine anerkannte QVM zur «Speak up» Kultur oder zu Qualitätszirkeln den begründeten Bedarf trifft. Die genaue Umsetzung richtet sich nach der gewählten QVM-Beschreibung, nicht allein nach diesem Beispiel.
Wirkung prüfen, ohne Meldungszahlen zu überdeuten
Mehr CIRS-Meldungen können auf eine offenere Meldekultur hinweisen; weniger Meldungen können viele Ursachen haben. Du kannst Meldungszahlen gemeinsam mit Bearbeitungswegen, Rückmeldungen an Teams und der Umsetzung abgeleiteter Verbesserungen betrachten. Lege vor einer Veränderung fest, welche Beobachtung auf einen Fortschritt hindeutet. Prüfe die Ergebnisse und entscheide dokumentiert über Anpassungen. Das setzt die vertragliche Evaluation praktisch um, ohne einen universellen Pflichtindikator zu erfinden.
Quelle / Fundstelle: S05 Glossar Qualitätskonzept und QVM; S20 Kap. 4
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